Dienstag, 14. Oktober 2014

Dein Wille geschehe

Blick vom Ölberg auf die Jerusalemer Altstadt
Du hast mich geträumt Gott,
wie ich den aufrechten Gang übe,
und niederknien lerne,
schöner als ich jetzt bin,
glücklicher, als ich mich traue,
freier, als bei uns erlaubt.
 
Hör nicht auf,
mich zu träumen, Gott.

Ich will nicht aufhören,
mich zu erinnern,
dass ich dein Baum bin,
gepflanzt an den
Wasserbächen des Lebens.
 
(Dorothee Sölle)

Jesu Weg endete in Jerusalem. Er war weder Rebell noch Freiheitskämpfer, er verleugnete sich nicht und musste dafür sterben. Er forderte die Autorität heraus und hielt wie ein König Einzug in Jerusalem. Er ordnete sich dem Willen Gottes völlig unter. So lautet auch unser Tagesthema: Dein Wille geschehe!
Warum entstand Jerusalem gerade hier: ohne Wasserquelle, ohne Handelsweg, an einem ungeschützten Platz?
Wir fangen unsere kurze Wanderung auf dem Skopusberg an, mit Blick gegen Osten in die judäische Wüste. Auf der anderen Seite sehen wir die drei Kuppeln, Felsendom, Hurva-Synagoge und Grabeskirche. Durchs Kidrontal mit den Olivenhainen nähern wir uns dem Garten Gethsemane, dessen Name im Hebräischen "Olivenpresse" bedeutet. Die "Kirche aller Nationen" erinnert daran. Trotz der dunklen Alabasterfenster leuchten die wunderschön farbigen Mosaike. Trotz der unzähligen Besucher strahlt die Kirche eine grosse Ruhe aus. Im Garten die Jahrtausende alten Olivenbäume: Ort des letzten Gebets Jesu.
Gethsemane, Kirche der Nationen
Durchs Löwentor betreten wir wie tausende Pilger vor uns die Altstadt und gelangen zur St. Anna-Kirche. Hier, sagt die Tradition, hat Jesus einen gelähmten Mann geheilt. Unser Lied "Magnificat" füllt den romanischen Kirchenraum und klingt lange nach.
In der Pilgergaststätte "Ecce Homo" der Zionsschwestern und der Gemeinschaft des "Chemin neuf" geniessen wir mit herrlichem Blick auf die Dächer der Altstadt mit ihren Kuppeln, Minaretten und Türmen ein gutes Mittagessen.
Blick über die Dächer Jerusalems
Auf der Via Dolorosa sind viele Pilger unterwegs und auch bei der Klagemauer ist wegen Sukkot ein grosses Gedränge. Die Inbrunst der gläubigen Juden ist beeindruckend. Zielgerichtet durchqueren wir den Markt. Bei der sechsten Station des Leidenswegs Christi treffen wir Schwester Rose von den kleinen Schwestern. Sie erzählt uns wie ihr Orden von Charles de Foucault gegründet wurde und vor allem in Nahost und in Afrika in muslimischem Gebiet tätig ist. Mit ihren drei Mitschwestern lebt Schwester Rose seit 44 Jahren in Jerusalem und führt ein kontemplatives Leben unter den Ärmsten. Wir erfahren, dass immer weniger Christen in Jerusalem leben. Die Schwester gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich das Zusammenleben der verschiedenen Religionen wieder verbessern wird. 
Sukkot
Die letzten Stationen des Leidenswegs befinden sich in der Grabeskirche. Hier ist es trotz vieler Leuchten und Kerzen sehr düster, das scheint aber die vielen Pilger nicht an ihrem geschäftigen Treiben zu hindern Einen eindrücklichen Moment erleben wir im Vorhof der Kirche mit unserer jüdischen Führerin und dem Gebetsruf des Muezzin. Voller reicher Eindrücke verlassen wir die Stadt durch das Damaskustor.

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