Samstag, 11. Oktober 2014

Jesus und der Gott des Mose

Auf dem Werk zum Berg Karkom
"Wir wollen uns einen verantworteten Tag gönnen, unter Berücksichtigung der natürlichen Verhältnisse." (Paul Imhof)

Der heutige Tag, an dem uns biblisch das Thema und die Person Mose in unserer eigenen Wüstenerfahrung begleiten soll (und ganz real eine zweite Gruppe aus Deutschland), ist eine schwere Geburt und alles andere als selbstverständlich. Der Gottesberg Har Karkom liegt im Militärsperrgebiet und ist nur am Shabbat zugänglich. Ferner liegt er etliche Fahrstunden entfernt in der Wüste, erreichbar nur mit geländegängigem Gefährt. Unser Weg zum Har Karkom hängt vom Wetter ab: Regen in der Region könnte die trockenen Wadis innert Kürze anschwellen lassen und unser Vorhaben gefährden. So bekommt auch der Regen - Segenszeichen in der trockenen Region - eine ambivalente Symbolik.
Der geplante Tagesstart ist früh, 5.15 Uhr, noch vor Sonnenaufgang. Tatsächlich werden wir aber schon gegen zwei Uhr am Morgen aus dem Schlaf gerissen: Ein kurzes, aber heftiges Gewitter entlädt sich direkt über uns, gefolgt von - Regen! Die diversen Wetterprognosen am frühen Morgen sind so vielseitig wie die Meinungen der verschiedenen Guides, Fahrer und Experten, und so dauert es noch eine Dreiviertelstunde, bis die Völkerverständigung zu einem Kompromiss führt: wir fahren bis zur Abzweigung ins Wadi Paran, frühstücken und sehen dann weiter.
Wadi Paran
Das Verhandeln hat sich gelohnt (das haben wir ja schon bei Abraham gelernt) - das Wetter ist uns gnädig, und nach einem hastigen Frühstück holpern und schaukeln wir im offenen Truck gute drei Stunden durch die Wüste, beeindruckt von der Weite, irritiert von Raketenresten und anderen Überbleibseln der Militärübungen und in tiefer Bewunderung für die Künste unsres Fahrers Eitan.
Auf dem Weg zum Berg Karkom
Schliesslich geht es zu Fuss weiter durch die Wüste in Richtung des Karkom, der durch Jahrtausende und verschiedenste Religionen als Heiliger Berg verehrt wurde. Guide Nummer Zwei, Paul Imhof, hat selber an dieser Stelle bei archäologischen Ausgrabungen mitgewirkt und leitet uns fachkundig zu den Überresten alter Heiligtümer. Felszeichnungen mit Tierszenen, den ersten Darstellungen von Menschen mit zum Gebet erhobenen Menschen, aber auch die älteste Darstellung der zehn Gebote, in die schwarze Patina eines Kalksandsteins geritzt, begleiten uns hinauf auf den Mosesberg Karkom. Hier sei das Volk der Israeliten durch die Wüste gezogen, als Moses von Gott die zehn Gebote erhalten habe.
Gottesdienst auf dem Berg Karkom
Nach einem Gottesdienst über der Höhle des Moses steigen wir schweigend hinab vom Heiligen Berg, um unsere Wüstenerfahrung mit einem erfrischenden Picknick fortzusetzen. Zurück führt uns der Weg entlang der ägyptischen Grenze - oft unüberwindbares Hindernis der heute Umherirrenden: Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eritrea, die sich am Ende ihrer gefährlichen Reise vor einem meterhohen Grenzzaun wiederfinden, mit dem Israel sich gegen die illegalen Einwanderer aus dem Sinai zu schützen versucht. Uns trennt von unserem letzten Wegstück zurück zum Krater von Mitzpe Ramon schliesslich noch ein letzter Militärposten. Wegen Shabbat ist kein Begleitfahrzeug verfügbar, was uns eine ungeplante Pause einbringt - und schliesslich einen herrlichen Sonnenuntergang, als wir nach etwa zwanzig Minuten dann doch weiter fahren dürfen. Ohne Begleitung
Israelisch-ägyptische Grenze

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