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| Traditionelle arabische Mezze in Beit Sahour |
Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden den Menschen seines Wohlgefallens (Lk 2,14)
Friede, Fremdheit, Erinnerung und Gastfreundschaft sind die Themen, die uns auf unserem Weg nach Hebron und dann nach Bethlehem begleiten. Der Friede, erzählt uns der biblische Text, kommt von den Engeln: Er ist Zuspruch Gottes und Geschenk, gleichzeitig aber muss er immer wieder von uns eingeholt werden. Frieden in diesem Sinne ist mehr als Waffenruhe, mehr als Abwesenheit als Krieg. Er "ist" nicht, sondern er muss immer wieder neu gemacht werden. Wo anders wäre diese Realität so sichtbar, in Hebron geradezu physisch greifbar, als in dieser Region!
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| Blick auf die Machpela in Hebron |
In Hebron werden wir unmittelbare Zeugen der schwierigen Realität: Der israelisch kontrollierte Durchgang von der palästinensischen Altstadt zur Machpela, dem von allen drei monotheistischen Religionen als Grabstätte der Patriarchen und Matriarchen verehrten Heiligtum, ist versperrt. Es ist immer noch Sukkot, und die an normalen Tagen von Juden und Muslimen gemeinsam genutzte Machpela ist in dieser Woche für Juden reserviert. Wir - und alle Palästinenser - müssen draussen bleiben. Gleichzeitig erfahren wir die arabische Gastfreundschaft. Ein Bewohner der engen Gasse sieht uns vor dem verschlossenen Tor und lädt uns spontan auf sein Dach ein, das uns wenigstens einen kleinen Blick von oben auf den für uns heute unerreichbaren Bereich erlaubt. Ein kurzer Weg durch den Souk der palästinensischen Seite vermittelt uns einen weiteren Einblick in den schwierigen Alltag in der zweigeteilten Stadt: Viele Geschäfte sind geschlossen, es mangelt an Besuchern. Netze über unseren Köpfen schützen die arabische Bevölkerung unten vor dem von jüdischen Bewohnern oben herabgeworfenem Müll. Obwohl auf arabischer Seite, kreuzen auf halber Strecke israelische Soldaten unseren Weg. Es bleibt eine Stippvisite, und wir setzen den Weg fort in Richtung Bethlehem.
Ganz anders dort: Buntes Treiben in den Gassen, offene Geschäfte, Leben. Dass der diesjährige Sommer mit dem Gazakrieg und die allgemeine Lage im Nahen Osten ihre Spuren hinterlassen haben, wird gleich deutlich. Im Hotel sind wir die einzige Gruppe, und selbst die Wartezeiten vor der Geburtsgrotto sind ungewöhnlich kurz.
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| Gespräch mit Yael in Efrat |
Am Abend sehen wir eine andere Realität des Landes: Nach dem Abendessen in einer Laubhütte in der Siedlung Efrat erzählt uns Yael, schweizstämmige Jüdin und Efrat-Siedlerin, was sie bewogen hat, in der Westbank zu siedeln und wie dies ihren Alltag prägt. Für uns wohl am irritierendsten dabei: wie anscheinend unbedacht dieser Entscheid gefällt wurde und wie wenig er im Alltag präsent ist.
Der letzte Satz hat m i c h irritiert. Statt eine Wertung hätte ich lieber gelesen, was Yael bewogen hat Alija zu machen. Für viele Juden ist es eine unbewusste Berufung, die viele Christen und Muslime nicht verstehen. Wer die wahre Geschichte kennt hat einen anderen Blick.
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