Montag, 13. Oktober 2014

Wer ist mein Nächster?

Wadi Qelt
Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (Lk 10,25-37)

Wer ist mein Nächster, lautet die Frage, die uns heute begleitet. Wie in der biblischen Geschichte geht es um das Sehen, das Sich-Ergreifen-Lassen und das Handeln über den spontanen Moment hinaus.
Nicht nur geographisch passt der Wandertag in der Wüste zwischen Jerusalem und Jericho zum Tagesthema: Nach dem gestrigen Tag voller und voller widersprüchlicher Eindrücke und Orten gibt der Weg durchs Wadi Qelt zum Georgskloster Raum und Zeit zum Sacken lassen. Nach einem anspruchsvollen Vortag für Kopf und Sinne sind Wüstenstille und das Spüren des Körpers beim Wandern ein guter Ausgleich.
Wadi Qelt
Unsere Überraschung (und Freude) sind gross, als wir im Wadi Qelt ankommen. Trotz des heissen und trockenen Sommers, der gerade erst zu Ende geht, ist das Aquädukt am Berghang gut mit Wasser gefüllt, und so begleiten uns das Plätschern des Wassers und das unerwartet üppige Grün in Wassernähe durch die Wüste. Schmetterlinge, Wespen, Vögel, hier und da ein Esel, Unmengen an Ziegen und sogar ein Kamel zeigen: die Wüste lebt.

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