Dienstag, 7. Oktober 2014

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

Berg Hermon, arabisch Jabal al-Scheikh, Blick in Richtung Syrien
Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. (Mk 9, 2-7)

Die Frage Jesu an seine Jünger - anders formuliert: Wer ist Jesus für mich? - verlangt auch zweitausend Jahre später von jedem einzelnen nach Antwort. Zusammen mit der biblischen Erzählung von der Verklärung, in der Gott selbst Antwort gibt, wer Jesus sei - der geliebte Sohn - begleitete sie uns heute an ganz unterschiedliche Orte...

Denkmal für gefallene israelische Soldaten in den Golanhöhen
Durch die vielfältigen Obstplantagen Obergaliläas fahren wir mit einem ersten Fernblick auf den See Genezareth in die Golanhöhen. An einem Mahnmal für die gefallenen israelischen Soldaten des 1967er Kriegs und des Jom-Kippur-Kriegs von 1973 gibt Guide Maya uns einen ersten Einblick in die Geographie einer umstrittenen Region. Unaufgeregt und nüchtern erzählt Maya, Jahrgang 1957, von zahlreichen Konflikten, die hier zum Alltag gehören. Und von der Hoffnung auf Frieden, die nach wie vor viele Menschen teilen. Maya ist israelische Jüdin, spricht "Arabisch im ägyptischen Akzent, und wie mit Ägypten ist vielleicht auch der Frieden mit Syrien nicht so weit entfernt".
Eine "verrückte Welt" begegnet uns auf dem Berg Hermon. Höchste Stelle im Land, Militärgebiet und Grenze zu Syrien, eröffnet sich uns der Blick nach Syrien und in den Libanon. Die geologischen Aktivitäten des Ostafrikanischen Grabenbruchs, scheint es, prägen die Region auch in der Realpolitik. Wir feiern in luftiger Höhe Gottesdienst - hören über die Gotteserfahrung der Jünger in der Verklärung Jesu. In unseren Gebeten sind auch die Menschen in Syrien.
Banias, eine der drei Jordanquellen
Die Spannnung zwischen der stillen Schönheit der Natur und dem leidvollen Konflikt wird unmittelbar greifbar an unserer letzten Station - Banias, dem antiken Caesarea Philippi und Quellort eines der drei Jordanzuflüsse. Laute Explosionen zu hören sind: Im libanesisch-israelischen Grenzgebiet ist es zu Schusswechseln gekommen, die Armee gibt per Funktelefon an die Parkwächter Entwarnung, aber die Atmosphäre ist unvertraut und verunsichert. Mit gemischten Gefühlen wandern wir entlang des Banias bis zum Wasserfall. "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden", zitiert Maya ein Gebet von Robert Niebuhr. Eine Übung, an der wir uns wohl in den kommenden Tagen häufiger versuchen dürfen...

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